Gedichte, Lyrik und Balladen

Bücherwurm

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Du und ich

Du und ich!
Wunschlose Seligkeit
Strömt deine Nähe über mich.
Der Alltag wird zur Sonntagszeit,
Unsterblich schlingt das Leben sich
Um uns. Und Menschengöttlichkeit
Fühl' ich bei dir durch dich.


Was einst gewesen, weiß ich kaum.
Die enge Welt wird weiter Raum.
Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
Gar wunderbare Weisen
Singt dann bei seinem Kreisen
Mein Blut im Paradies für mich.
Es haben alle Wünsche Ruh', -
Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.
Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.



Max Dauthendey

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Redis

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Auf stillem Friedhof lieget eingebettet,
umweht von unsres Nordens rauhem Wind,
der Last des schwersten Loses früh entkettet,
des Südens Mägdlein, ein Zigeunerkind.

Ein schlichtes Kreuz den Hügel überraget,
von Halmen nur umkoset leis und lind.
Wohl selten einer nach dem Schläfer fraget,
dem Fremden sagt man: " Ein Zigeunerkind."

Kein fromm Gebet klingt in die Gruft hernieder,
fort sind sie, die von seinem Blute sind;
Doch Vöglein singen helle Schlummerlieder,
vom Kreuz, dem schlafenden Ziegeunerkind.

Wo mag des Mägdleins Mutter jetzo weilen,
wenn noch ihr schattenhaftes Leben rinnt?
Mit ihrem Schmerz mußt´sie von hinnen eilen,
doch ihre Liebe blieb beim fernen Kind.

Ob sie sich sehnt nach deinem stillen Frieden?
Dich ins Gebet einschließet, fromm gesinnt?
Sie wird gehetzt, doch dir ist Ruh´beschieden,
wohl dir du glückliches Zigeunerkind!

Dein Hügel muss der Kränze Schmuck entbehren,
drum dieses Blättchen drauf zum Angebind,
ich weih´es dir, und keiner soll es wehren.
Schlaf wohl! Gott ruft auch sein Zigeunerkind!

(Georg Blikslager) Ruppa
 

Bücherwurm

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Hallo Redis!
Der Georg Blikslager ist ja ein Auricher. Der Name sagte mir nichts, aber das Gedicht hab' ich schon mal gelesen - OZ? - Moormerlander Anzeiger?. Da gab es auch eine Geschichte zu, ist aber schon einige Monate her.
Hast du das Gedicht daher? oder aus einem Schulbuch? Im Netz ist von dem Autor nur der Lebenslauf zu finden.

Grüße

Reinhard
 

Redis

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Hallo Reinhard,

ich habe es aus der OZ! Ich fand es so schön, dass ich mir das aufgeschrieben habe.

Die Geschichte dazu war, dass es auf einem hiesigen Friedhof wohl ein Grab mit einem schlichten Kreuz auf dem der Name Ruppa steht gibt. Es ist schon sehr alt und der Schreiber des Gedichts hat sich so seine Gedanken gemacht und sie mit diesem Gedicht in Worte gefasst.

Dieses Mädchen ist wohl unter tragischen Umständen gestorben, als die "Zigeuner" mal wieder ihre Zelte im Auricher Raum aufgeschlagen hatten.

Die Beisetzung soll sich schwierig gestaltet haben, weil die Geistlichen kein "Ungläubiges" Kind auf ihrem Friedhof begraben wollten. Nach langem hin und her ist das Mädchen dann doch in einer abgelegenen Ecke beigesetzt worden.

LG

Margret
 

Bücherwurm

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Anhang anzeigen 1853



Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornen trägt,
sondern freue dich darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt.
aus Arabien


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Meine Rosen

Ja, mein Glück, es will beglücken,
alles Glück will ja beglücken.
Wollt ihr meine Rosen pflücken?
Müßt euch bücken und verstecken
zwischen Fels und Dornenhecken,
oft die Fingerchen euch lecken!
Denn mein Glück es liebt das Necken!
Denn mein Glück es liebt die Tücken!
Wollt ihr meine Rosen pflücken?
Friedrich Nietzsche
 

Bücherwurm

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Wie ich dir begegnen möchte

Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen,

dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten,
dich ernst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen,
zu dir kommen, ohne mich dir aufzudrängen,
dich einladen, ohne Forderungen an dich zu stellen,
dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen,
mich von dir verabschieden,
ohne Wesentliches versäumt zu haben,
dir meine Gefühle mitteilen,
ohne dich dafür verantwortlich zu machen,
dich informieren, ohne dich zu belehren,
dir helfen, ohne dich zu beleidigen,
mich um dich kümmern, ohne dich verändern zu wollen,
mich an dir freuen - so wie du bist!

Alter englischer Wanderspruch

Anhang anzeigen 1878
 
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Kaschek

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Jeder weiß, was so ein Maikäfer
für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her
Fliegt und kriecht und krabbelt er.
Max und Moritz, immer munter,
Schütteln sie vom Baum herunter.
In die Tüte von Papiere
Sperren sie die Krabbeltiere.
Fort damit und in die Ecke
Unter Onkel Fritzens Decke!
Bald zu Bett geht Onkel Fritze
In der spitzen Zipfelmütze;
Seine Augen macht er zu,
Hüllt sich ein und schläft in Ruh.
Doch die Käfer, kritze, kratze!
Kommen schnell aus der Matratze.
Schon fasst einer, der voran,
Onkel Fritzens Nase an.
"Bau!" schreit er. "Was ist das hier?"
Und erfasst das Ungetier.
Und den Onkel, voller Grausen,
Sieht man aus dem Bette sausen.
"Autsch!" - Schon wieder hat er einen
Im Genicke, an den Beinen;
Hin und her und rundherum
Kriecht es, fliegt es mit Gebrumm.
Onkel Fritz, in dieser Not,
Haut und trampelt alles tot
Guckste wohl, jetzt ist's vorbei
Mit der Käferkrabbelei!
Onkel Fritz hat wieder Ruh
Und macht seine Augen zu.

Wilhelm Busch (1832-1908)




 

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Bücherwurm

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Nach einem Regen

Sieh, der Himmel wird blau;
die Schwalben jagen sich
wie Fische über den nassen Birken.
Und du willst weinen?

In deiner Seele werden bald

die blanken Bäume und blauen Vögel
ein goldnes Bild sein.
Und du weinst?

Mit meinen Augen

seh ich in deinen
zwei kleine Sonnen.
Und du lächelst.



Richard Dehmel

 

Bücherwurm

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Die Rosen im Garten


Die Rosen im Garten blühn zum zweiten Mal.
Täglich schießen sie in dicken Bündeln
In die Sonne. Aber
die schwelgerische Zartheit ist dahin,
Mit der ihr erstes Blühen sich im Hof
des weiß und roten Sternenfeuers wiegte.
Sie springen gieriger,
wie aus aufgerissenen Adern strömend,
Über das heftig
aufgeschwellte Fleisch der Blätter.
Ihr wildes Blühen
ist wie Todesröcheln,
Das der vergehende Sommer
in das ungewisse Licht des Herbstes trägt.



Ernst Stadler

 
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Kaschek

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Schlaflos

Geboren in eine Welt der unmerklichen Entfremdung
und tausend Versuche ihr zu entfliehen:
Hundert Menschen, die einem nahestehen
Zehn, die man symphatisch findet
Einen, den man zu lieben glaubt.
Und niemals wirklich die Gewißheit
einer geglückten Flucht.
Für Augenblicke
Begreifen, Erzittern und Vergehen
kurz vor dem Einschlafen.
Dann nur noch gleichmäßiger Atem.

by Martin Mooz



Wölfe GB Pics




 
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Savant

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Die anderen Brücken




Du hast einen schönen Beruf,
sagte das Kind zum Brückenbauer,
es muss schwer sein, Brücken zu bauen.
*
Wenn man es gelernt hat, ist es leicht,
Brücken aus Beton und Stahl zu bauen.
Die anderen Brücken sind viel schwieriger,
sagte er, die baue ich in meinen Träumen.
*
Welche andere Brücken? fragte das Kind.
Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an.
Er wusste nicht, ob es verstehen würde.
*
Dann sagte er: Ich möchte eine Brücke bauen,
von der Gegenwart in die Zukunft.
Ich möchte eine Brücke bauen,
von einem zum anderen Menschen.
Von der Dunkelheit in das Licht,
von der Traurigkeit zur Freude.
Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die
Ewigkeit. Über alles Vergängliche hinweg.
*
Das Kind hatte aufmerksam zugehört.
Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber,
das der alte Brückenbauer traurig war.
Weil das Kind ihn wieder froh machen wollte,
sagte es: Ich schenke dir meine Brücke.
*
Und das Kind malte für den Brückenbauer
einen bunten Regenbogen.

(Anne Steinwart)











 
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Kaschek

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Vielleicht löst sich mit diesem Gedicht die Frage nach der Emanzipation auf.

Als ich mich selbst zu lieben begann.

Als ich mich selbst zu lieben begann
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich, das nennt man "Authentisch-Sein."

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, wie sehr es jemanden beschämt,
ihm meine Wünsche aufzuzwingen,
obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif,
noch der Mensch dazu bereit war,
auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß, das nennt man "Selbstachtung".

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen
Leben zu sehnen, und konnte sehen, dass alles
um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man "Reife".

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei
jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen
Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist
– von da konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich, das nennt sich "Selbstachtung".

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte
für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das,
was mir Spaß und Freude bereitet, was ich liebe
und mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art
und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man "Ehrlichkeit".

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit was nicht gesund für
mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das
"gesunden Egoismus",
aber heute weiß ich, das ist "Selbstliebe".

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt, das nennt man "Einfach-Sein".

Als ich mich selbst zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann, als ich jedoch
meine Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand
einen wichtigen Partner, diese Verbindung nenne
ich heute "Herzensweisheit".

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich, das ist das Leben!

Charlie Chaplin

 

Wolle

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Man mische 7 Pfund Palmin
Mit gleichviel Milch und Terpentin.
Dann füge man ein Hühnerei
Und etwas Öl nebst Essig bei.
Dies nun zu festem Brei gerührt,
Wird dann in einen Strumpf geschürt.
Das ganze lässt man 13 Wochen
In lauem Seifenwasser kochen.
Dann wird es mit Gelee garniert
Und im verdeckten Topf serviert.
(Doch halte man zu rechter Zeit

Ein offenes Töpfchen sich bereit.)

(Joachim Ringelnatz)
 

Wolle

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Liebeslied

Helle Länder sind deine Augen.
Vögelchen sind deine Blicke,
Zierliche Winke aus Tüchern beim Abschied.

In deinem Lächeln ruh ich wie in spielenden Booten.
Deine kleinen Geschichten sind aus Seide.

Ich muss dich immer ansehen.


Alfred Lichtenstein
 

Bücherwurm

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Das Heu liegt tot am Wege

Das Heu liegt tot am Wege,
Wir gingen ohne zu sehen,
Und Amselsang im Gehege,
Wir hörten es kaum im Gehen.

Wir waren still wie Erde,
Wie zwei, die man begraben;
Unsere Seelen mit dunkler Gebärde
Durchzogen den Himmel wie Raben.

Max Dauthendey
 
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steelcook

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Eva Strittmatter

Morgens Abends

Eines Morgens siehst du: aus der Schonung wurde ein Wald.
Eines Abends begreifst du: diesen Sommer wurdest du alt.
Dem Juniende sind schon Spuren vom Herbst beigemischt.
Die langen langen Regen haben die Zeiten verwischt.
Die roten Rosen weinen und welken ohne Duft.
Würde die Sonne scheinen, röteten sie die Luft.
Eines Morgens siehst du das erste gilbende Blatt.
Eines Abends begreifst du, dass einer dich nicht geliebt hat.
Deine nässekalten Hände halten einander fest.
Niemals ist alles zu Ende, immer bleibt noch ein Rest,
Eine Rose nach dem Regen und manchmal nach dem Schnee.
Man muss sich weiterbewegen, das ist, was ich versteh.
Eines Morgens siehst du, der Himmel ist blau über dir.
Eines Abends begreifst du, was das heißt, du bist noch hier.
 

Bücherwurm

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An die Freunde


Wieder einmal ausgeflogen,
Wieder einmal heimgekehrt;
Fand ich doch die alten Freunde
Und die Herzen unversehrt.

Wird uns wieder wohl vereinen
Frischer Ost und frischer West?
Auch die losesten der Vögel
Tragen allgemach zu Nest.

Immer schwerer wird das Päckchen,
Kaum noch trägt es sich allein;
Und in immer engre Fesseln
Schlinget uns die Heimat eln.

Und an seines Hauses Schwelle
Wird ein jeder festgebannt;
Aber Liebesfäden spinnen
Heimlich sich von Land zu Land.

Theodor Strom
 

irmi_Keller

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Schmetterlinge

Wer Schmetterlinge lachen hört
der weiß , wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein
ungestört von Furcht
die Nacht endecken.

Der wird zur Pflanze wenn er will
Zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde
durchs ganze Weltall reisen.

Er weiß, dass er nicht´s weiß
wie alle andern auch nicht´s wissen,
nur weiß er, was die andereren
und er noch lernen müssen.

Wer sich in fremde Ufer spürt
und Mut hat sich zu recken
der wird allmahlich ungestört
von Furcht sich selbst entdecken.

Abwärts zu den Gipfeln
seiner selbst blickt er hinauf
den Kampf mit seiner Unterwelt
nimmt er gelassen auf.

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß wie Wolken schmecken
der wird im Mondschein
ungestört von Furcht
die Nacht entdecken

Der mit sich selbst in Frieden lebt
der wird genau so sterben
und ist selbst dann lebendiger
als manche seiner Erben

Tarlo Kurges
 

Wolle

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Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren.......



Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die so singen, oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit wieder gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort
.

Novalis
 
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