Gedichte, Lyrik und Balladen

K

Kaschek

Guest
Schneewispern

In meinem Gefieder
noch immer
der zarte Schnee
von Winterpusteblumen.

Doch ungeduldig

in Vorahnungen enteilend
ziehen meine Schwingen schon
durch den Blütenregen
der, in ferne Träume gesponnen
sich schlafend noch
an kahle Zweige schmiegt.

Ich gehe

sie beflüstern
ein wenig früher
zu erwachen.

by Martin Mooz
(dessen Genehmigung ich für die Veröffentlichung habe)




 
K

Kaschek

Guest
Leben wir nur
zur eigenen Lust?
Oder sollen wir weinen
mit der weinenden Welt?
Wie viele haben
aus anderer Herzen
das Blut gesogen,
ohne Strafe!
Wie viele vergossen
für andre
ihr eigenes Herzblut,
ohne Lohn!
Doch wer sein Leben opfert,
tut's nicht um Lohnes willen;
er opfert es hin
der Menschheit zu nützen.
Nützt es - oder nicht?
Das ist die Frage der Fragen,
nicht "Sein oder Nichtsein"!

Petöfi Sándor

Ungarischer Dichter und Freiheitskämpfer
 

Panzer

Aktives Mitglied
Ich sag es nicht das erste Mal - und bestimmt auch nicht das letzte Mal: Dieser Martin Mooz schreibt wunderschöne Gedichte (siehe Beitrag 1). Die letzten vier Zeilen sind genial. Danke fürs Einstellen, Manu. :)
 
K

Kaschek

Guest
Spurensuche

Geworfen aus allen Bahnen
die fuhren nach Irgendwo.

Neben den Gleisen
verwischte Spuren
im Sand der Jahre.

Nur ein Träumer
erkennt Sandburgen
die von fernen Stränden
noch immer nachwehen.

Einst von kindlichen Händen
aus Ozean und Sand
zu weichem Matsch geformt

liegt Ähnliches
in heutigen Händen.

Nur das Meer ist fern.
Sehr fern.

by Martin Mooz


 
K

Kaschek

Guest
Das Geheimnis der Liebe



Die Liebe ist eine natürliche Schwäche,
die uns vom ersten Menschen vererbt worden ist.


Die Liebe verbindet unsere Gegenwart
mit den Wurzeln unserer Vergangenheit
und mit dem Dorn unserer Zukunft.

Die Liebe ist ein tödliches Gift,
das durch schwarze Vipern,
die aus Höllengrotten hervorgekrochen sind,
eingeflößt wird.


Dieses Gift scheint frisch wie der Tau zu sein,
und die durstige Seele trinkt es in großen Schlucken.
Aber wenn er erst berauscht ist,
wird der Trinker von Sehnsucht erfaßt
und wird einem schmerzhaften Tod erliegen.

Die Liebe ist ein Wein,
der von den Verlobten des Morgengrauens kredenzt wird.
Sie festigt die starken Seelen und erlaubt ihnen,
sich bis zu den Sternen zu erheben.

Die Liebe ist blinde Unwissenheit,
in der die Jugend beginnt und aufhört.


Die Liebe ist eine göttliche Erkenntnis,
die es dem Menschen erlaubt zu sehen,
was Götter sehen.

Die Liebe ist ein Nebel,
der blendet und die Seele daran hindert,
das Geheimnis der Existenz zu durchschauen,
so dass das Herz zwischen den Hügeln
nur noch die zitternden Phantome der Begierde sieht
und nur noch die Echos des Weinens der stummen Täler hört.

Die Liebe ist das Ausruhen des Körpers
in der Stille des Grabes,
die Gelassenheit der Seele
und die Tiefen der Ewigkeit.


Die Liebe,
das sind mein Vater und meine Mutter,
und niemand außer ihnen kennt sie.


So evoziert die Liebe im Vorbeigehen
gleichsam den Widerschein ihrer Hoffnungen
und ihrer Enttäuschungen;
und das Geheimnis blieb immer gleichermaßen
undurchschaubar.


Die Liebe ist die einzige Blume,
die wächst und die unabhängig von den Jahreszeiten blüht.

Die Liebe ist die einzige Freiheit,
die es auf der Welt gibt,
denn sie erhebt den geist zu solchen Höhen,
dass die Menschen und die Phänomene der Natur
ihren Lauf nicht ändern können.

Eine beschränkte Liebe verlangt,
das geliebte Wesen zu besitzen,
aber der,
dessen Ich ein unendliches Meer ist,
sucht nur seine eigenen Ufer.


Die, die von der Liebe nicht zu Schülern
erwählt worden sind,
können ihre Rufe nicht hören.


Die Hölle liegt nicht in der Qual.

Die Hölle liegt im leeren Herzen.


(Khalil Gibran)
 

Joaquin

Administrator
Teammitglied
Ein Freund

Wenn du den Tag ohne Kaffee beginnen kannst, ohne gereizt zu sein

Wenn du immer fröhlich bist und Wehwehchen und Schmerzen ignorieren kannst

Wenn du jeden Tag dasselbe essen kannst und dafür noch dankbar bist

Wenn du Verständnis hast, dass die Menschen, die du liebst, manchmal ohne Grund ihre Aggressionen an dir auslassen

Wenn du einen reichen Freund nicht besser als einen Armen behandelst

Wenn du der Welt ohne Lüge und ohne Täuschung gegenüberstehen kannst

Wenn du sagen kannst, dass es in deinem Herzen keine Vorurteile gegen die verschiedenen Rassen und Religionen gibt

Wenn du bedingungslos lieben kannst, ohne Druck auszuüben oder Erwartungen zu haben

Dann, mein Freund, bist du fast so gut wie dein Hund.
 
K

Kaschek

Guest
Martje Flors Trinkspruch

Vor Tönning, auf Katharinenherd,
Zechen Steenbocks Offiziere.
Sie haben fleißig die Humpen geleert,
Der Weiser zeigt auf früh viere.

Durchs Fenster glüht das Morgenrot
Auf die trunknen Cavaliere,
Auf ihre Sturmhauben á la Don Quixote,
Die verschobnen Bandeliere.

Auf im Nacken schwankenden Federhut,
Auf Koller und spiegelnde Sporen,
Auf ihr in Hitze geratnes Blut,
Auf manchen "hochedelgeboren".

Der eine hats Elend, der andere lacht,
Zwei haben den Pallasch gezogen,
Der stiert vor sich hin wie in Geistesnacht,
Der äfft nach den Fidelbogen.

Zwei andre halten Verbrüderungsfest,
"Herzbruder" schwimmt im Pokale.
Und der unten am Tisch säuft Rest aus auf Rest
Und denkt an keine Finale.

Da tritt ein kleines Mädchen herein,
Und steht mitten im wüsten Quartiere.
Martje Flor ists, des Wirtes Töchterlein,
Zehn Jahr' nach dem Taufpapiere.

Sie nimmt das erste beste Glas
und hebt sich auf die Zehe:
"Auf daß es im Alter, ich trink euch das,
Im Alter uns wohlergehe".

Mit weit offnem Munde, mit bleichem Gesicht
Steht die ganze besoffne Bande
Und starrt entsetzt und rührt sich nicht,
Und steht wie am Abgrundsrande. -

In Schleswig denken sie heut noch erbost
An die schwedschen Klauen und Klingen
Und denken dankbar an Martjes Toast,
Wenn sie die Becher schwingen.

Detlev von Liliencron
 
K

Kaschek

Guest
Auf Platt ist es schöner. Martje ist die alte Form des Namens Martha. Ich finde ein schöner Name. :)

Martje Flor
Op Martje Flor! - Vör männich Johr
huus Steenbuck mit sien Rasselbann'
in 't Eiderstedtsche, as förwohr
en Trupp vun Turkos husen kann.
Se plünnern, stohlen, seng'n un brenn'n,
vertehren mager, fehr un fett;
keen Koh weer seker op de Fenn,
keen Fru in 'n Huus, keen Kind in 't Bett.
Bi Garding leeg en Hoff in 'n Lann',
de Haubarg as en lüttje Kark,
dor leeg ool Steenbuck mit sien Bann'
un Herr un Heer de dreven 't arg.
De Wien worr drunken ut den Kroos,
de Keller lerrig un de Köök,
de Koh worr eten ut de Boos,
Speck ut den Rook un ut de Löök.
De Buur mit all, wat kunn, weer flücht',
mit Knecht un Maagd, mit Föhr un Fohr,
blot een lütt Diern de bleev torüch,
dat weer de Dochter, Martje Flor.
Weer eensam bleven mang de Bann',
en Mäden, even ut de School,
muss maken mit ehr lütten Hann'n,
muss schaffen, dat de Dischen vull.
Do, as se doven, vull un dull,
do worr se ropen an den Disch;
"Kumm her un schenk dien'n Beker vull!
Drink en Gesundheit! Nu man frisch!"
Bleek worr dat Mäden as de Wand,
doch mang dat Kriegsvolk unverzaagt
se reep, den Beker in de Hand:
"Dat gah uns woll op ole Daag!"
Still worr de Larm. Op heel de Rohr.
Un männich rohge Kriegsgesicht
sä, as in Andacht: "Martje Flor
hett Recht! Dat Öller hollt Gericht!"
Vun 'n Haubarg morgens, still un sach,
dor trock dorvun dat wille Korps.-
Drum slutt noch jede Buurgelag:
Mit dien Gesundheit, Martje Flor!
 
K

Kaschek

Guest
Dieses Gedicht von Heinrich Heine gefällt mir gerade. :)

Das Glück ist eine leichte Dirne
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne,
Und küßt dich rasch und flattert fort.
Frau Unglück hat im Gegenteile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.
 

Bücherwurm

Aktives Mitglied
Anton Wldgans - 1881 - 1932

Auf den Tod einer großen Hure



Eine große Hure ist gestorben,
Sie besangen Dichter, sie verwirrte Denker,
Mächtige des Goldes, Staatenlenker
Haben sie umworben und verdorben.

Gattinnen verweinten Schmerz und Wut
Ihrethalben in verwaiste Kissen,
Freunde lernten Freunde hassen, Blut
Floß um Liebespfänder, ihr entrissen.

Im Begiergetümmel, Glied an Glied,
Auf dem Feld zerstampfter Frauenehre
Riß sie die gezückten Männerspeere
In den Schoß sich als ein Winkelried.

Auf dem letzten Schragen liegt sie nun,
Ein Kadaver, eingeschrumpft zum Kind:
Süße Mumie, gib Laut! Wo sind
Jetzt die Kavaliere, die aus deinen Schuhn
Den Champagner tranken? - Fort wie Wind.

Von dem Siechenhaus des Dorfs, aus dem sie kam
Einst als reines Blut ins große Leben,
Humpelt's, hüstelt's: Triefaug, Blöd und Lahm
Wollen ihr die letzte Ehre geben!

Gähnend gürtet sich das Zingulum
Der Kaplan zum Dienst der Bettelleiche.
Kaum ein Wachsstumpf brennt im Heiligtum
Für den Sarg aus nachgemachter Eiche.

Vaterunser plärrt ein Pfründnerweib,
Ohne Trinkgeld läutet faul der Türmer,
Und im Lehmloch rüsten schon die Würmer
Zu dem Schmaus an diesem Elendsleib!



 

Bücherwurm

Aktives Mitglied
Dort wucherte Mohn

Wir gingen in helle Kornfelder hinein.
Dort wucherte Mohn rotfleckig am Rain,
Fein klingen dort Ähren dem Ohr Melodein
Und wiegen die Köpfe leise und träge,
Und heiße Dinge liegen am Wege.
Nicht Körner allein im Kornfeld gedeihn,
Mohnrote Flecken, die lecken am Blut,
Die können im Feld ein Brennen anstecken;
Wir haben geküsst und nicht ausgeruht.



Max Dauthendey
 
K

Kaschek

Guest
Das Fischermädchen

Steht auf sand'gem Dünenrücken

Eine Fischerhütt' am Strand;
Abendrot und Netze schmücken
Wunderlich die Giebelwand.

Drinnen spinnt und schnurrt das Rädchen,

Blaß der Mond ins Fenster scheint,
Still am Herd das Fischermädchen
Denkt des letzten Sturms und - weint.

Und es klagen ihre Tränen:

Weit der Himmel, tief die See,
Doch noch weiter geht mein Sehnen,
Und noch tiefer ist mein Weh.

Fontane

 

Bücherwurm

Aktives Mitglied
Scheidelied

Wohl über die Heide geht ein Weg,
Wo sich die Liebchen scheiden,
Ein Hüttchen steht am Scheideweg,
Gebaut von Trauerweiden.

Und an der Hütt' ein Bächlein rinnt,
Lieb Äuglein heißt die Quelle,
Da steht ein Blümchen treu und sinnt
Und kann nicht von der Stelle.

Und wer das Blümchen liebend bricht,
Dem muß das Herz auch brechen,
Das Blümchen spricht: "Vergiß mein nicht!"
Ich muß es nach ihm sprechen.

"Vergiß mein nicht," du treues Herz,
Bleib' treu mir in der Ferne,
Ohn' dich ist alle Freude Schmerz,
Ohn' dich sind dunkel die Sterne.

Der Himmel ist so trüb und still,
Die Sonne kann nicht scheinen,
Ach, wenn ich von dir singen will,
So kann ich nicht vor Weinen.

O lieber Gott, sprich ihr ins Herz,
Sprecht ihr von mir, ihr Sterne,
Und blickt mein Liebchen himmelwärts,
So sei sie mir nicht ferne.

Clemens Brentano
 
K

Kaschek

Guest

Flüchtlingslied

Fern der Heimat irrt als Flüchtling
in der Ferne ich umher,
und die meisten meiner Lieben,
ach, ich find sie nimmermehr.

Dort wo Kiefernwälder rauschen,
Dort, ach dort, bin ich zuhaus,
Wo die Oder leis sich schlängelt
steht mein liebes Elternhaus.

Ach die Lieben, die dort wohnten
Sie sind verstreut im Wind.
Keiner weiß wo sie geblieben
Oder noch am Leben sind.

Endlos ist mein ganzes Leben
weil ich in der Fremde bin.
Keiner mag mich hier verstehen,
fühlt das ich ein Flüchtling bin.

Murrisch morgens, murrisch abends
murrisch jedes einzig Wort
Keiner mag den Flüchtling sehen
Jeder wünscht ihn wieder fort.

Wer die Heimat nicht verloren
Wem nicht selber Leid geschah
kann die Leiden und die Sehnsucht
eines Flüchtlings nie verstehen.

Ach wie gern wär ich geblieben
mit die Meinigen gern zuhaus
Hatte Ruh dort und auch Frieden
braucht nicht in die Welt hinaus.

Doch das Schicksal wollte's anders
irrt nun in der Welt umher
finde meine teure Heimat
und die Lieben nimmermehr.

Hanns-Georg Pfeffer 1946
 

Wolle

Bekanntes Mitglied
Begnüge dich, Liebste!

Ich kann dir nicht, was andre schenken, schenken

Und nicht die Welt aus den Gelenken lenken.
Du darfst dich nicht auf Schmuck und Spitzen spitzen,
Wirst nicht mit mir auf goldnen Sitzen sitzen.
Jedoch, der ich des Dichters Habe habe,
Vermag es, dass dich andre Labe labe:
Schon fühl' ich es von Liederkeimen keimen,
Ich will sie dir in goldnen Reimen reimen,
Dass dir gar lieblich ihr Getöne töne,
Und dich der Verse Schmuck verschöne, Schöne!

von Heinrich Seidel
 
K

Kaschek

Guest
Komm, lieber Mai,
und mache die Bäume wieder grün
und lass mir an dem Bache
die kleinen Veilchen blühn!
Wie möchte ich doch so gerne
ein Veilchen wieder Sehn,
ach, lieber Mai, wie gerne
einmal spazieren gehn!

Zwar Wintertage haben

wohl auch der Freuden viel:
man kann im Schnee eins traben
und treibt manch Kinderspiel,
baut Häuserchen von Karten,
spielt Blindekuh und Pfand,
auch gibt's wohl Schlittenfahrten
ins weite weiße Land.

Doch wenn die Vögel singen

und wir dann froh und flink
auf grünem Rasen springen,
das ist ein ander Ding!
Jetzt muss mein Steckenpferdchen
dort in dem Winkel stehn,
denn draußen in dem Gärtchen,
kann man vor Schmutz nicht gehn.


 
K

Kaschek

Guest
Die Kellerbude ist recht fein,
es macht voll Spaß, dabei zu sein.

Die Menschen hier, ich versichere Dir,
trinken hin und wieder gerne Bier.
Das Herz am rechten Fleck
Humor und gute Laune - niemals Dreck.

Joaquin mit der Klampfe
denkt meist nur an die Mampfe

Savant ist der Garant für Herzensangelegenheiten -
ganz charmant.

Bücherwurm - kiek mol an,
schießt Fotos, da kommt keiner ran.

Panzer ist der Chef vom Wettbüro,
ein ganz Lieber - sowieso.

Wolle trommelt wie ein Verrückter,
bei Lotti ganz verzückt er.

Rodi, ein feiner Kerl mit flotter Sohle,
trieb es früher gern auf Kohle.

Bluegrass - gebt gut Acht,
sät hin und wieder Zwietracht.

Redis, das muss ich wirklich sagen,
vermisse ich schon in diesen Tagen.

Die Trinity ist auch nicht fade,
gibt dem Forum viel Farbe.

Tiny und Möhre sind auch dabei,
jung und frech - da guck ich in die Röhre.

Alle Nichterwähnten - kein Verzagen,
euch geht es beim nächsten Mal an den Kragen.

Holladidaus - Das Gedicht ist aus!

Anhang anzeigen 1448

 

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Bücherwurm

Aktives Mitglied
Immer neue Küsse gib


Küss mich auf den Mund, mein Lieb,
Immer neue Küsse gib.
Welkt am Weinstock Blatt um Blatt,
Man den Most im Keller hat.


Ach, das Leben ist versüßt
Dem, der sich durchs Leben küsst.
Wer verkennt des Jahres Zweck,
Dem nur schenkt der Herbst den Dreck.


Liebste, drück mir auf den Mund
Küsse wie die Blätter bunt,
Küsse wie der junge Most,
Und berauscht leb' ich getrost.


Max Dauthendey
 

Bücherwurm

Aktives Mitglied
Glaube nur

Wenn im Sommer der rote Mohn
Wieder glüht im gelben Korn,
Wenn des Finken süßer Ton
Wieder lockt im Hagedorn,
Wenn es wieder weit und breit
Feierklar und fruchtstill ist,
Dann erfüllt sich uns die Zeit,
Die mit vollen Maßen misst,
Dann verebbt, was uns bedroht,
Dann verweht, was uns bedrückt,
Über dem Schlangenkopf der Not
Ist das Sonnenschwert gezückt.
Glaube nur! Es wird geschehn!
Wende nicht den Blick zurück!
Wenn die Sommerwinde wehn,
Werden wir in Rosen gehn,
Und die Sonne lacht uns Glück.

Otto Julius Bierbaum
 
K

Kaschek

Guest
AW: Gedichte, Lyrik und Balladen



Alte Rose

Eine Rosenknospe war
Sie, für die mein Herze glühte;
Doch sie wuchs, und wunderbar
Schoß sie auf in voller Blüte.

Ward die schönste Ros' im Land,

Und ich wollt die Rose brechen,
Doch sie wußte mich pikant
Mit den Dornen fortzustechen.

Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetzt

Und verklatscht von Wind und Regen -
»Liebster Heinrich« bin ich jetzt,
Liebend kommt sie mir entgegen.

Heinrich hinten, Heinrich vorn,

Klingt es jetzt mit süßen Tönen;
Sticht mich jetzt etwa ein Dorn,
Ist es an dem Kinn der Schönen.

Allzu hart die Borsten sind,

Die des Kinnes Wärzchen zieren -
Geh ins Kloster, liebes Kind,
Oder lasse dich rasieren.


Heinrich Heine








 
K

Kaschek

Guest
AW: Gedichte, Lyrik und Balladen



Heideröslein

Sah ein Knab ein Röslein stehen,
Röslein auf der Heide,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)


Ich bin gerade auf der Suche nach einer alten Englischen Rose, deren Name mir nicht einfällt und fand dabei diese schöne Seite mit Rosengedichten. Diese Rose hab ich mal im Glücksburger Rosarium bewundert und ihr Duft hat mich begeistert.

Rosen-Gedichte aus der Weltliteratur

Rosarium Glücksburg - Glücksburger Rosenkönigin | Glücksburger Rosenfest | Rosen Jensen-Lützow GmbH
 
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