Gedanken eines in die Jahre gekommenen Senior

trebla

Bekanntes Mitglied
Oft werde ich gefragt , wie geht es dir . Man macht sich ja so seine Gedanken , je älter man wird. Denn da macht sich , mit Verlaub , das lange Leben so langsam aus dem Staub .
Von der Wiege bis zum Grab spielt sich ja alles abwärts ab . Man merkt es ja täglich an vielen Dingen , die nicht mehr so gehen , wie sie früher mal gingen . Das fängt ja oben im
Kopf schon an , man vergisst den Namen von Damen , die früher ganz flüssig kamen .
Zwischen den Ohren geht langsam das Gehör verloren . Im Mund , die Lücken kann man ja
noch mit Kunststoff oder Gold überbrücken . Im Hals , na ja , die Stimme ist auch nicht mehr
das , was sie mal war . Langsam wird sie Leiser und dann heiser .
Und dann da unten im Magen , der kann auch schon nicht mehr alles vertragen.
Nur noch ganz kleine Portionen auf den Teller . Na ja , und dann die früher strotzenden
Lenden , die wollen ihre Arbeit auch beenden . Darunter wohl verpackt die Knollen , die tun ja auch schon lange nicht mehr was sie eigentlich sollen . Und was mich am meisten bedrängt , ist dass , was da einmal stand , jetzt nur noch hängt .
Dann stehst du da und sagst , so ist das halt . Es ist scheisse , denn jetzt bist du wirklich alt.
Aber bitte nicht verzagen , ich kann auch im Alter noch recht viel Blödsinn machen .
Mein Rat : Haut auf die Pauken , und lasst die Korken knallen, wir alte Knaben zeigen
es doch noch allen . Und wir gehen und gehen , solange es geht , bis dann plötzlich der
Herrgott vor dir steht . Aus grossen Augen grinst er dich an und sagt : Kommst du
freiwillig mit , alter Mann ? Wehren ist zwecklos , mach dich bereit , für den letzten Schritt in die Ewigkeit .
Dann gibst du den Löffel ab , für immer.
 
G

Gast327

Guest
Hallo Sonnenteil,
Willkommen im Klub!

Immer wieder stelle ich fest, wie schwer wir uns tun über die letzten Dinge des Lebens zu reden. Warum eigentlich? Warum wollen wir nicht zugeben, dass wir, wie alle Lebewesen, nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung haben?

Wir haben z. B. unser Testament schon vor vielen Jahren gemacht, als wir noch auf vielen und langen Reisen unterwegs waren. Und haben festgestellt, man sitzt wesentlich gelassener im Flugzeug, wenn man sich drauf verlassen kann, dass im Ernstfall unten auf der Erde alles so läuft wie wir das festgelegt haben vorher.
Und nun wird immer mehr Ballast abgeworfen, der nicht mehr wichtig ist oder nicht mehr bewältigt werden kann. Welch eine Erleichterung!
Mae West, eine amerikanische Schauspielerin, sagte : Man lebt nur einmal, aber wenn man es richtig macht, reicht einmal völlig.
Der Satz klebt an meinem Kühlschrank und bringt mich mitunter zum Grinsen.
Die Falten vertiefen sich, die Krankheiten auch, die Haare fallen aus usw, usw, usw. Aber die Seele wird leichter. Ist alles nicht mehr so wichtig. Die Vögel singen auch ohne uns weiter. Aber heute freue ich mich noch an ihnen.
 

Sonnenteil

Benutzer
Immer wieder stelle ich fest, wie schwer wir uns tun über die letzten Dinge des Lebens zu reden. Warum eigentlich? Warum wollen wir nicht zugeben, dass wir, wie alle Lebewesen, nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung haben?
Ja, das ist leider so, das trifft mich auch. Gedanklich fange ich aber jetzt an mich damit zu beschäftigen.
Ich hoffe dass ich noch etwas Zeit habe mich noch "intensiver" mich damit zu beschäftigen;)
 

orbit

Aktives Mitglied
Na ja...
die Granaten schlagen zwar immer näher ein und ein näherer bekannte verstarb mit 63 Jahren, aber für mich kommen solche Gedanken noch nicht so in Frage.
Natürlich ist man geschockt wenn in unmittelbarer jemand für immer geht, aber ich habe noch zu viele Pläne um darüber nachzudenken......ich bin in der
zwischenzeit 65 Jahre, aber im nächsten Jahr fange ich an eine neue kleinere Werkstatt im Garten zu bauen mit einen weiteren Schuppen so um die 40 qm.....
weiter ein Wintergarten und ein Gewächshaus......da kommen solche Gedanken nicht auf auch wenn das alter hin und wieder zwickt......
 

Olathe

Benutzer
Mit fast 56 Lenzen zähle ich wohl noch zu den Jung -Senioren......und doch hat mich nachfolgendes zum Nachdenken bewogen:
Als ich letzten Samstag vom Brötchenholen kam, sind mir vier Generationen aufeinmal begegnet: Eine junge Mutti schob den Kinderwagen mit ihrem Baby und sie war in Begleitung ihrer Mutter, die wiederum den Rollstuhl mit der Urgroßmutter schob.
Mich beeindruckte die Gemeinsamkeit in der jeweiligen Lebenssituation: Das Baby noch am Start, die beiden Mütter mitten drin und die Uromi dem Ende entgegen. Und ich dachte auch an das Baby, das erst noch laufen lernen wird, während die Urgroßmutter nicht mehr laufen kann......und an die Aufgaben der beiden Mütter/Töchter, die sich so sehr gleichen......
So ist das Leben!
 

Aci

Benutzer
... muss auch mal was loswerden. Ich habe vor fast 40 Jahren schon mal in Venedig gelebt. Habe dieses Venedig auch in sehr schöner Erinnerung, die Menschen haben zusammen gehalten, sie haben gesungen und die "Alten" noch versorgt innerhalb der Familie. Heute ist es leider nicht mehr so, auch hier werden die "Alten" abgeschoben. Zwar nicht in ein Heim, wie in Deutschland, aber man holt eine Badante, die sind meistens aus Moldavien, Polen oder ein Land aus dem Osten. Auch in Italien hat sich alles zum Nachteil verändert. Auch hier ist man nur noch hinter dem Geld und Wohlstand her. Mich hat das sehr erschüttert. Ich fühle mich nicht mehr wohl, denn ich bin hierher zurückgekommen, weil ich eine gute Erinnerung hatte und nun muss ich erleben, dass es fast noch schlimmer ist, als in Deutschland....
 
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